2014 Spanien – Portugal

2 Wochen: Oberaargau – Lyon – Brive-la-Gaillarde – Gondrin – Donostia/San Sebastian –  Llanes – Santiago de Compostela – Vila Réal – Fromista – Viana – San Sebastian – St. Emilion – Mâcon – Oberaargau

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Diese Reise schlummerte schon länger in unseren Köpfen oder zumindest der eine Ort: Donostia / San Sebastian im Baskenland. Ein britischer Arbeitskollege von Annemarie, der früher mehrere Jahre dort lebte, bezeichnete diese Stadt immer wieder als Paradies auf Erden. Das wollten wir endlich mal sehen. Am Ende wurde unerwartet fast eine Motorrad-Pilgerreise daraus.

Wir fuhren also los ziemlich direkt Richtung Nordspanien. Gegen Abend suchten wir uns im Zentralmassiv von Frankreich in Brive-la Gaillarde ein Bleibe zum Übernachten.

Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Westen und ins Bordeaux-Gebiet. Unterwegs kam Manfred in den Sinn, dass er irgendwo in der Casgogne noch Bekannte hatte, die vor vielen Jahren ausgewandert waren und nun einen Camping-Platz betrieben. Wir kontaktierten Sie und kündeten unseren Kurzbesuch an. So fuhren wir durch eine abwechslungsreiche Landschaft der Casgogne nach Gondrin, wo wir im örtlichen Gasthaus übernachteten und vorher bei einem Glas Rosé aus der Gascogne alte Zeiten mit den Bekannten aufleben liessen.

Am nächsten Tag besuchten wir zuerst die grösste Wanderdüne von Europa, die Dune du Pilat in der Bucht von Arcachon und kratzelten in unserer Motorradausrüstung mit hunderten anderen Besuchern auf der Sanddüne herum.

Danach ging es Richtung Paradies auf Erden. Donostia ist die nächste Stadt gleich nach der französisch/spanischen Grenze im Baskenland. Schon die Einfahrt in die Stadt mit den schönen Strassen, Häusern, dem Kanal zeigte uns, dass es hier schön sein muss. Wenn man dann ganz vorne am Strand ist, kann man nur staunen. Die Bucht mit dem feinen Sandstrand ist fast rund und beinahe geschlossen, der Anblick ist einfach zu jeder Tageszeit wunderschön. Wir fanden ein Hotelzimmer am einen Ende der Bucht. Nur über die Strasse und schon waren wir am Strand zum Baden. Das Wetter machte mit, angenehme 26 – 28 Grad trotz Atlantik-Küste. Am Abend machten wir uns auf in die Altstadt, auch diese wunderschön mit all den Gassen und total autofrei. Als Neo-Spanientouristen hatten wir keine Ahnung, wie das hier funktioniert mit essen und trinken und unsere Spanisch-Sprachkenntnisse sind sehr mager. Irgendwie waren alle am Trinken, aber niemand am Essen. In den Bars überall meterweise gluschtige Häppchen, aber wie kommt man da ran? Um 21:30 war der Hunger so gross, dass wir uns im hinteren Teil einer Bar ein Nachtessen bestellten. Wir waren zwar praktisch allein und wurden etwas komisch angeschaut, aber wir kriegten etwas auf den Teller. Nun war die Zeit gekommen, wo wir den Arbeitskollegen von Annemarie um eine Gebrauchsanleitung für Donostia bitten mussten. Er erklärte uns in einem Mail kurz die wichtigsten Verhaltensweisen betreffend Essen und Trinken und gab uns Restaurant- und Ausflug-Tips. Am nächsten Nachmittag in der Altstadt liefen wir uns zufällig über den Weg, er war auch in Donostia, hetzte aber von einem Bekannten-Essen zum anderen. Dazwischen hatte er eine halbe Stund Zeit, um mit uns etwas zu trinken und uns weiter in die Essens- und Trinkens-Kultur vom Baskenland einzuführen. Nun waren wir gewappnet und dem Schlemmen stand nichts mehr im Weg.

Rund um Donostia trinkt man nebst den Rioja-Weinen vor allem Sidra, den baskischen Apfelwein, der aus grosser Höhe aus der Flasche in das Glas eingeschenkt wird, damit das Getränk schön perlt. Wenn man abends Hunger hat und nicht bis um 22 Uhr warten mag, bis endlich Zeit für das Abendessen ist (vorher isst niemand Abendessen… ausser die Touristen), überbrückt man die Zeit mit Pintxos (Pintschos), der üppigen baskischen Variante der Tapas. Am üppigsten sind sie in Donostia. Man geht in eine Pintxos-Bar, lässt sich einen Teller geben, füllt diesen mit Köstlichkeiten, die auf der Bar in Mengen aufgereiht sind, geht zur Kasse, wo alles durchgezählt wird, bestellt dazu ein Glas Wein und los geht es mit schlemmen.  Man kann sich so auch locker einen Abend lang von Bar zu Bar durchschlemmen und braucht danach gar kein Abendessen mehr. Das Wasser läuft einem noch zuhause im Mund zusammen, wenn man nur an die wunderschönen Pintxos-Bars mit all den Köstlichkeiten denkt. 

Nach Getaria, dem Nachbarort von Donostia, geht man hin, um den besten Fisch zu essen. Man ist allerdings nicht allein, viele andere Touristen kennen diesen Geheimtip auch.

Unbedingt auf den Monte Igueldo am einen Ende der Bucht gehen (zu Fuss, mit dem Motorrad, mit Standseilbahn). Die Aussicht auf die Bucht von Donostia, die Stadt und den Atlantik sind einmalig.

Was uns hier bewusst zum ersten Mal auffällt, sind die Pilger, die der Küste entlang auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela unterwegs sind.

Nach zwei Tagen verlassen wir San Sebastian Richtung Westen, im Wissen, dass wir irgendwann zurückkommen werden, es ist zu schön hier, wirklich das Paradies auf Erden.

Wir machen einen Rast in Santander und fahren dann auf der Autobahn weiter, um zwischendurch wieder einen Abstecher an den Atlantik zu machen. Wir entscheiden uns, in Llanes eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Ein hübsches kleines Städtchen mit einem kleinen, nicht gerade einladenden Strand, was aber eher mit Ebbe und Flut zu tun hat, sauber wäre es schon. Auch hier wieder Pilger, die sich mit dem Zelt am Strand zum Schlafen einrichten.

Wir beschliessen am nächsten Tag – wenn wir schon mal in der Gegend sind – über Land nach Santiago de Compostela zu fahren. Eindrücklich die Landschaft, die Pilger, überall das Zeichen der Jakobsmuschel als Wegweiser, die Pilger-Einträge in den Gästebüchern der Kirchen. In Santiago de Compostela angekommen, machen wir uns auch auf, die Altstadt zu besichtigen und natürlich die Kathedrale. Wir reihen uns in die lange Warteschlange der Pilger und sonstigen Gläubigen ein, um die Statue des heiligen St. Jakob hoch oben in der Kathedrale zu berühren, während unten die Messe gelesen wird und das berühmte riesige Weihrauchfass durch die halbe Kirche geschwungen wird. 

Da es von hier kaum mehr nach Westen geht, es folgt nur noch der Atlantik, fuhren wir nach Süden Richtung Portugal. Wir wollten eine Arbeitskollegin von Annemarie besuchen, eine Portugiesin, die zur Zeit in den Ferien bei ihren Eltern weilt. Zuerst fuhren wir entlang der portugiesischen Nordwestküste und verstanden die Welt nicht mehr. Wo ist das Wasser und warum hat es Nebel? Wir fanden dann heraus, dass es normal ist, der Unterschied zwischen Ebbe und Flut sehr gross ist und man am Morgen schlicht das Meer nicht sieht oder nur weit draussen. Und ja, es ist üblich, dass es in dieser Gegen Nebel hat, für Badeferien nicht sehr geeignet. So fuhren wir dann ins Landesinnere nach Vila Réal. Leider weilte die Kollegin von Annemarie gerade bei ihrer Schwester in Lissabon. Wir beschlossen trotzdem, in Vila Réal zu übernachten und die Stadt zu besichtigen. Wir verstanden, dass die Bewohner von hier auswandern, um irgendwo Geld zu verdienen. Die Stadt ist arm und heruntergekommen. Nach langem Suchen haben wir eine Gasse gefunden, wo zwei drei Restaurants ein paar Tische auf die Gasse gestellt hatten und mit einer Herzlichkeit die Touristen mit lokalen Spezialitäten bedienen. 

Von Vila Réal ging es weiter Richtung Porto, aber nicht die Stadt war unser Ziel, sondern der Fluss Duoro. Wir fuhren von hier ins Landesinnere gegen Osten, dem Duoro-Tal entlang. Eindrücklich und empfehlenswert diese Landschaft mit den steilen Rebbergen entlang des Flusses. Wir lösten uns von dieser wunderschönen Flusslandschaft und fuhren Richtung Nordosten nach Fromista, wo wir übernachteten. Auch hier waren wir wieder auf dem Pilgerweg. Es gibt heute verschiedene Routen, die Original-Route führt durch das Landesinnere, etliche ziehen aber den Weg entlang der Antlantik-Küste vor. 

Der nächste Tag führte uns auf einem Hochplateau durch so unterschiedliche Landschaften, dass es trotz grosser Hitze im Landesinnern nie langweilig wurde. Äcker mit roter Lehmerde wechselten sich ab mit Olivenhainen oder spannenden Gebirgslandschaften. Am Abend suchten wir uns im Grenzgebiet der Rioja- und Navarra-Weingebiete ein Bleibe und landeten hoch auf dem Hügel oben in der schönen Altstadt von Viana. Auch hier begegneten uns überall Pilger. 

Wir waren am Scheideweg. Sollen wir ab hier die Rückreise Richtung Süden = Barcelona oder Richtung Norden = San Sebastian oder geradeaus quer durch die Pirenäen antreten? Es war heiss, Richtung Süden verhiess noch mehr Hitze, die Pirenäen hatten wir in einer früheren Reise schon mal durchfahren… die Wahl fiel auf San Sebastian, weil es so schön war und wir uns nach den Pintxos-Bars sehnten und nach dem Anblick der wunderschönen Bucht. So schnell kehrten wir zurück, damit hatten wir nicht gerechnet. Das gleiche Hotel hatte zum Glück noch ein Zimmer frei, leider nur für eine Nacht. So genossen wir die wunderbare Stadt zum zweiten Mal auf unserer Reise.

Von Donostia fuhren wir ins Bordeaux-Gebiet und fanden ein Hotelzimmer auf dem Hügel von St. Emilion am Rande der Altstadt. Wir buchten eine Rundfahrt mit dem Touristenzug durch das Weingebiet von St. Emilion und waren dann doch etwas enttäuscht, als wir merkten, dass jeder bessere Wein-Bauernhof ein „Château“ ist (das Sprechband in verschiedenen Sprachen weist auf die Château und die berühmten Weinberge hin) und der Besuch eines echten Château mit Weindegustation daraus bestand, dass der Touristenzug neben den Weinstöcken anhielt für die Fotosession, wir 5 Minuten in einen Keller mit Fässern geführt wurden für die Fotosession und wir am Schluss im Verkaufsladen ein Glas Wein angeboten erhielten ohne zu wissen, was wir trinken und ohne Information und ohne nachschenken. Nun ja, das Bordeaux-Gebiet fungiert im Wein-Luxus-Segment und hat es schlicht nicht nötig. Landschaftlich ist das Bordeaux-Gebiet nicht sonderlich empfehlenswert. Man sieht kilometerweise auf flacher Erde tausende von Weinstöcken. Es hat nichts mit den lieblichen, terrassenförmigen Weinbergen zu tun, wie man sie in vielen anderen Weingebieten sieht.

Von St. Emilion fuhren wir wieder retour durch das Zentralmassiv von Frankreich und übernachteten in einem anderen Weingebiet, in Mâcon im Burgund und von dort ging es zurück in die Schweiz.

Fazit:
Die Antlantik-Küste von Spanien und insbesondere das Baskenland sind landschaftlich und kulinarisch eine Reise wert. Insbesondere im Sommer ist der Norden von Spanien empfehlenswert, weil es an der Küste deutlich kühler ist als im restlichen Spanien. Vor allem San Sebastian/Donostia können wir nur in den höchsten Tönen loben. Wenn man Richtung Westen fährt, können wir auch Santiago de Compostela empfehlen. Man kann sich vorher oder wie wir es gemacht haben, nachher mit dem Jakobsweg etwas näher auseinander setzen. Wir haben im Anschluss an unsere Reise das Buch „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling gelesen und die Reise im Kopf nochmals durchlebt, weil uns vieles bekannt vorkam. Die Ehrlichkeit des Autors hat uns ebenfalls sehr beeindruckt. Es lohnt sich auch, ins Duoro-Tal zu fahren und einen Teil dem Fluss entlang zu fahren. Die steilen Rebberge hoch oben im Tal bilden eine faszinierende Landschaft. Die wechselnde Landschaft im Landesinnern von Mittel-/Nord-Spanien ist spannend, aber man muss sich – obwohl auf einem Hochplateau – auf höhere Temperaturen einstellen. St. Emilion und das Bordeaux-Gebiet haben wir mal gesehen. Die Altstadt ist zwar hübsch, aber generell wird man in dieser Gegend eher abgezockt.

Für alle Länder braucht es keine speziellen Einreiseformalitäten, eine Reisepass genügt. Überall ist die Währung Euro. Autobahnen: in Frankreich und Spanien teilweise Maut-pflichtig und Portugal hat teilweise ein elektronisches Maut-System. Wir sind auf einem kurzen Abschnitt in Portugal einfach gefahren und haben erst zuhause erfahren, dass wir zum voraus etwas hätten einzahlen müssen und den Einzahlungs-Abschnitt mitführen. Hat auch ohne funktioniert…

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Dune du Pilat in der Bucht von Arcachon
Bucht von Donostia / San Sebastian
Donostia / San Sebastian
Altstadt von Donostia
Altstadt Donostia
Altstadt Donostia
Baskischer Apfelwein
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Entlang der Antlantikküste
Santander
Llanes
Llanes
Pilger
Pilger
Begegnet uns immer wieder – die Jakobsmuschel, das Pilgerzeichen auf dem Jakobsweg
Der Wegweiser für alle Pilger – das Zeichen für den Jakobsweg
Das Ziel der Pilger – Die Kathedrale von Santiago de Compostela
In der Kathedrale von Santiago de Compostela – rechts das Ziel aller Pilger, die riesengrosse Statue des hl. St. Jakob, die von hinten berührt oder umarmt wird – in der Mitte das riesige Weihrauchfass, dass an Ketten durch die halbe Kathedrale geschwungen wird
Altstadt von Santiago de Compostela
Kann immer wieder vorkommen – Wetterumschlag und Nebel auf der Autobahn entlang der Atlantikküste
Ziemlich normal für die Nordwest-Küste von Portugal – grosse Ebbe und Nebel
Wo ist hier das Meer? – Nebel und Ebbe
Unterwegs Richtung Vila Réal
Die Strasse für uns allein
Vila Réal
Duoro-Tal
Abwechslungsreiche Landschaft unterwegs nach Fromista
Es geht weiter mit abwechslungsreicher Landschaft von Fromista nach Viana
Im Rioja-Gebiet
Im Navarra-Gebiet
Viana
Altstadt von Viana
St. Emilion
St. Emilion
St. Emilion
St. Emilion
Mâcon by night

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