1 Woche: Oberaargau – Oberalp-Pass – Albula-Pass – Engadin – Tirol – Ötztal – Sölden – Timmelsjoch-Pass – Passeiertal/St. Leonhard – Jaufenpass/Passo Giovo – Trentino/Südtirol – Lago di Corlo – Monte Grappa – Slowenien – Selce/Kroatien – Friaul – Cortina d’Ambezzo – Col di Lana – Canazei – Südtirol – Tirano – Poschiavo – Berninapass – Pontresina – Oberaargau

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Bei dieser Reise war bei der Abfahrt nicht klar, wo sie uns hinführen wird. Alpenpässe, wahrscheinlich eher Richtung Italien, vielleicht noch Kroatien, wo es uns immer gut gefällt? Das war so in etwa die Ausgangslage. Wir fuhren also los Richtung Innerschweiz nach Andermatt und über den Oberalp-Pass ins Bündnerland. Nach Flims, kurz vor Tamins fiel uns beim Warten vor einer Baustelle ein anderer Motorradfahrer auf: Er hatte ein Schaffell auf seinem Sattel montiert, was eher ungewöhnlich ist. Er überholte uns dann und verschwand aus unserem Blick. Wir entschieden uns, via Albula-Pass ins Engadin zu fahren. Auf dem Albula-Pass machten wir einen Kaffeehalt. Was steht da auf dem Parkplatz? Ein Motorrad mit einem Schaffell auf dem Sattel. Wir setzen uns zu ihm und kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass er nur ein paar Dörfer von unserem entfernt wohnt. Wo wir hin wollten? Nun ja, das wissen wir noch nicht, evt. landen wir am Schluss in Kroatien, war unsere Antwort. Er wolle auch nach Kroatien und zwar an einen ganz bestimmten Ort, nach Selce, in ein Motorradfahrer-Hotel, das er von einer früheren Reise kannte. Kurzerhand drückte er uns den Prospekt in die Finger, er brauche ihn nicht mehr, er kenne ja das Hotel. Wir waren noch nie in einem Motorradfahrer-Hotel und hatten bisher auch nicht das Bedürfnis, ein solches zu suchen.
Weiter ging es vom Engadin ins Tirol und zwar ins Ötztal. In Sölden suchten wir uns gegen Abend ein freies Zimmer und schauten uns den Wintersportort im Sommer an. Am nächsten Tag wollte das Wetter nicht so recht mitmachen, regnerisch und in den Bergen neblig. Trotzdem, wir wollten von Sölden über den Timmelsjoch-Pass. Bei schönen Wetter eine spektakuläre Passroute. Von der tollen Sicht sahen wir herzlich wenig, der Nebel war so dicht, dass wir beinahe das Häuschen verpasst hätten, wo das Ticket für die Passstrasse verkauft wird. Oben auf dem Pass sah man gerade mal ein paar Meter weit und es war kalt. Via das Passeiertal/St. Leonhard – Jaufenpass/Passo Giovo fuhren wir ins Südtirol und Friaul.
Im Friaul übernachteten wir am Lago die Corlo in einer kleinen Pension direkt am See, denn das Ziel des nächsten Tages war klar: der Monte Grappa. Die grosse Gedenkstätte an den 2. Weltkrieg mit der tollen Aussicht auf das Veneto, wenn denn kein Nebel wäre. Und jetzt? Wir zogen den Prospekt aus der Tasche uns sagten uns, warum nicht? Fahren wir mal in dieses Motorradfahrer-Hotel. Selce befindet sich eh an der nördlichen kroatischen Küste, wo es uns sehr gut gefällt.
Das kleine Gästehaus und insbesondere der Besitzer Ljubo und seine Familie entpuppten sich als wahren Glücksfall, weshalb wir hier etwas Werbung für ihn machen. Das Gästehaus ist neu erbaut, einfache Zimmer aber nach westlichem Standard mit allem, was man braucht. Das Haus verfügt über 9 Doppel-Zimmer. Frühstück gibt es im Anbau, bei schlechtem Wetter drinnen, bei gutem Wetter draussen am langen, überdachten Tisch. Falls eine gute Gruppe Motorradfahrer beieinander ist und Ljubo und seine Familie Zeit haben, kann es schon sein, dass sie den ganzen Tag in der Küche stehen und abends für 15 – 20 Personen einen kroatischen Grillabend organisieren, nichts für Vegis. Ljubo spricht fliessend Deutsch. Er wohnte einige Jahre in Österreich und hat viele Besucher und Freunde aus Deutschland, weshalb er täglich in Deutsch kommuniziert.
Ljubo ist selber begeisterter Motorradfahrer. Er gibt Tips zu Ausflügen, organisiert Ausflüge oder bietet geführte Motorradtouren durch Kroatien und Slowenien an. Viele rasten hier auch auf der Durchreise nach/von Süden oder nach/von Westen und erzählen am langen Tisch von ihren Erlebnissen oder holen sich Tips von anderen.
Vom Gästehaus sind es ca. 10 Minuten zu Fuss bis ins Dorfzentrum von Selce und ans Meer. Ljubo weiss auch, wo es gutes Essen und insbesondere leckeren Fisch gibt. An der Promenade hat es viele nette Restaurants, Bars und Liegestühle mit Sonnenschirmen, aber alles noch in kleinem, beschaulichem Rahmen und bezahlbar, kein Vergleich zum Massentourismus an den italienischen Küsten. Obwohl sich die kroatische Küste extrem entwickelt hat im Vergleich zu Ende der 90-Jahre, anfangs der 2000-Jahre, wo man das Badetuch noch auf die Betonplatten legte und Essen und Getränke selber mitbrachte, wie die Einheimischen. Im Sommer steht mittlerweile auch eine Bühne auf dem Dorfplatz, wo fast jeden Abend ein (kostenloses) Konzert (Rock, Country, eher traditionell) stattfindet.
Wenn man die Pension von Ljubo sucht, muss man sich auf eine steile Abfahrt von der Quartierstrasse zum Haus gefasst machen und die Motorräder und Autos müssen fast geschichtet werden, damit alle ein Plätzchen auf dem engen Raum finden. Auf dem Parkplatz stand übrigens auch eine Motorrad mit Schaffell auf dem Sattel und es gab ein Wiedersehen. Im Sommer hat es mittlerweile auch viele Familien und Paare, die hier mit dem Auto eine Woche Badeurlaub machen. Die Motorradfahrer sind eher im Frühling und Herbst anzutreffen, weil es im Sommer recht heiss werden kann.
Nach drei wunderbaren Tagen machen wir uns auf die Heimreise. Tückisch ist immer die Bora, der Wind, der in der Gegend von Rijeka von den Bergen herunter an die Küste fegt und man auf der Autobahn schon mal unfreiwillig die Spur wechselt, weil man vom Wind geschoben wird. Wenn die Bora sehr stark weht, kann es sein, dass die Strasse nach Norden durch das Naturschutzgebiet Richtung Slowenien geschlossen wird. Auf Ljubos Rat hören. Wir entschieden uns für die Venedig-Autobahn und bogen irgendwann nach Norden ab Richtung Friaul. Diesmal übernachteten wir in Cortina d’Ampezzo, ein mondäner italienischer Skiort, inmitten einer imposanten Bergkulisse.
Von hier ging es weiter durch die Dolomiten, den Col di Lana, Canazei ein weiteres italienisches Skiresort mit imposanter Bergkulisse, über das Südtirol nach Tirano und dann über Poschiavo hoch über den Berninapass bis nach Pontresina wo wir übernachteten. Ausnahmsweise mal im Sommer, wir sind sonst sehr oft im Winter zum Langlaufen in Pontresina, einer unserer Lieblingsorte im Engadin. Von hier fuhren wir am nächsten Tag über den Julierpass mehr oder weniger direkt nachhause, da wir in den letzten Tagen mehr als genug Berge gesehen hatten und Pässe gefahren waren.
Fazit:
Die Schweizer Alpenpässe, das Tirol, das Südtirol und die Dolomiten sind immer eine Motorradreise wert. Der Timmelsjochpass einer der höchsten und spektakulärsten Alpenpässe, sofern das Wetter mitmacht. Die Tour von Cortina d’Ampezzo durch die Dolomiten ins Südtirol über den Col di Lana und Canazei nach Bozen führt durch eine wunderschöne Bergwelt und ist empfehlenswert. Das Highlight war aber definitiv Selce und Ljubos Biker B&B http://kroatien-aktiv.com , Ljubisa Mihajlovic, Stjepana Brozovica 16, 51266 Selce/Kroatien, ljubo.selce@gmail.com, Tel: +385 91 5206535
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