2 Wochen: Oberaargau – Offenburg – Bad Fallingbostel – Ängelholm – Göteborg – Oslo – Stockholm – Karlskrona – Ystad – Trelleborg – Flensburg – Hildesheim – Hierscheid/Eppelborn – Oberaargau

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Wir brachten am Morgen verunsichert unsere Tochter an den Bahnhof mit dem Ziel „Jamboree“, das Weltpfadilager in Schweden. Am Tag zuvor wurden in Oslo und der Insel Utoya über 70 Menschen, vorwiegend Jugendliche in einem Zeltlager, vom Massenmörder Anders Behring Breivik erschossen. Im ersten Moment dachten alle an einen Anschlag von Al Kaida. Hatten Sie es auf Jugendlager abgesehen? Kann das Jamboree mit 40’000 Jugendlichen aus aller Welt ein nächstes Ziel sei?
Nach dem Mittag diskutierten wir, wohin unsere Motorradreise gehen soll. Spanien/Portugal oder doch Schweden? Schweden siegte und eine Stunde später war gepackt und wir fuhren los. Der erste Tag war deshalb nur eine kurze Strecke bis nach Offenburg, wo wir übernachteten. Am nächsten Tag folgte eine lange Tagesetappe auf der Autobahn in den Norden an den Rand der Lüneburger Heide, nach Bad Fallingbostel. Es war kalt, ca. 10 Grad und regnete den ganzen Tag. Nachdem wir ein Hotel gefunden hatten, waren die Finger vor Kälte und Nässe so klamm, dass es nicht möglich war, den Hotelschein auszufüllen. Wir haben uns noch selten so auf eine warme Dusche gefreut.
Am nächsten Morgen musste die Entscheidung gefällt werden, welchen Weg wir nach Schweden einschlagen wollen. Der Entscheid fiel auf die Fähre von Puttgarden nach Rödby in Dänemark. Von dort aus fuhren wir Richtung Kopenhagen, das wir aber umfuhren und von dort der Küste entlang Richtung Norden bis nach Helsingör, wo wir mit der Fähre nach Helsingborg in Schweden übersetzen. Von Helsingborg fuhren wir noch etwas nach Norden, bis wir in Ängelholm fanden, es reiche für heute und uns ein nettes Hotel suchten. Bereits an unserem ersten Etappenort in Schweden war die Gastfreundschaft und die Lockerheit der Schweden zu spüren, die uns auf der gesamten Reise begleiten wird, nebst den tollen Smörebröd jeden Morgen.
Gestärkt ging es weiter der Küste entlang nach Norden bis nach Göteborg. Ein tolle Stadt mit Hafen und schönen Fussgängerzonen mit Kanälen. Kaffee und Zimtschnecken gab es im Hotel à discrection… willkommen in Schweden. Am nächsten Tag folgte eine der schönsten Strecken, entlang der Westküste von Göteborg nach Oslo. Wir konnten uns nicht sattsehen an der wunderschönen Schären-Landschaft, den roten Holzhäusern, den Fjorden. Diese wunderschöne Westküste können wir allen Schweden-Reisenden wärmstens empfehlen. Zwischendurch machten wir einen Abstecher nach xx, um uns zu stärken, bevor wir dann in Oslo, der Hauptstadt von Norwegen, einfuhren. Oslo war zuerst gar nicht eingeplant, bietet sich aber gerade zu an. Wenn man in Schweden der Westküste entlang nach Norden fährt, landet man automatisch in Oslo, das an der verlängerten Westküste von Schweden und kurz nach der Grenze zu Norwegen liegt. Vier Tage nach dem Attentat war die Stadt immer noch geschockt und stark geprägt von den Ereignissen des Breivik-Attentats. Überall TV-Kameras und Journalisten und überall Blumen auf der Strasse und den Plätzen. Trotzdem konnte die Stadt gut zu Fuss erkundet werden. Am nächsten Morgen fuhren wir zuerst auf den Holmenkollen, den Hausberg von Oslo. Die Strasse führt durch die mondänen Wohnquartiere am Hang des Holmenkollens hoch bis zur berühmten und eindrücklichen Sprungschanze. Die Aussicht von der Schanze bzw. vom gesamten Hügel auf den Fjord von Oslo ist atemberaubend schön.
Danach zog es uns nach Osten, wieder zurück nach Schweden, Richtung Stockholm. Stundenlang sind wird auf gut ausgebauten Landstrassen durch Wälder und entlang von Weihern und Seen gefahren und trotzdem war es nie langweilig. Man kann sich nicht sattsehen an dieser tollen Landschaft. In Stockholm angekommen fanden wir ein Hotel mitten in der Stadt und blieben für zwei Nächte, um diese wunderbare Stadt zu Fuss und per Schiff zu erkunden. Im Hinterkopf auch immer ein bisschen die Bücher von Stieg Larsson mit den Handlungen von Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist in Stockholm.
Von Stockholm fuhren wir wieder gegen Süden, diesmal entlang der Ostküste bis nach Karlskrona. Karlskrona ist eine beschauliche Stadt mit einem riesigen Schifffahrts-Museum und vielen alten Kähnen, die bestaunt werden können.
Von Karlskrona ging es weiter Richtung Südküste. Unterwegs machten wir einen Abstecher ins Landesinnere nach Rinkaby, wo das Jamboree, das Weltpfadi-Lager stattfand. Da wir nicht angemeldet waren, hatten wir keine Chance, bis zum Pfadilager vorzudringen, die Sicherheitsvorkehrungen waren sehr gross. Unsere Tochter hatte aber schon vor dem Lager klar gemacht, dass sie uns nicht sehen will, weil sie befürchtete, dass sie danach Heimweh hätte. So schlichen wir mit dem Motorrad in grossem Bogen um das Lager herum und sahen die Zelte nur von weitem. Via Simrishamn und Löderup näherten wir uns dem lang ersehnten Ziel von Annemarie, Ystad und Umgebung. Der Schauplatz der weltberühmten Kommissar Wallander-Bücher.
Entgegen den Büchern des stets etwas launischen Kommissars Wallander hat Ystad eine wunderschöne Altstadt mit schönen alten restaurierten Häusern und romantischen Gassen. Wir wohnten in einem tollen Hotel in einem alten, renovierten Gebäude, wo alles etwas krumm war. Hier blieben wir auch zwei Nächte, um die Umgebung auszukundschaften und an den Strand zu liegen. Mit ca. 26 Grad war es zwar nicht super warm, aber wärmer als zuhause, wo gerade eine Kälteperiode herrschte. Um am Strand zu liegen war es knapp genügend warm, das Wasser zum Baden war aber definitiv zu kalt. Zwischendurch kamen Nebelschwaden, ein spezielles Erlebnis, im Nebel am Strand zu liegen. Leider war die Luft an der Südküste nicht überall so toll. Bei Wassertemperaturen über 18 Grad breiten sich die Algen stark aus und die absterbenden Pflanzenteile stinken teilweise wie Gülle. Wir mussten auch mal den Strand wechseln, weil wir es nicht mehr aushielten.
An der Südküste besuchten wir in Kaseberga auch „Ales Stenar“, eine der grössten erhaltenen Schiffssetzungen von ganz Skandinavien, das ist so etwas wie das Stonehenge von Schweden. Entlang der Südküste sieht man entlang der Strasse öfters kleinere Schiffssetzungen, aber Ales Stenar übertrifft mit seiner Länge von 67 Metern und einer Breite von 19 Metern, hoch auf dem Hügel und mit dem Ausblick auf das Meer, alles.
Von Ystad fuhren wir wieder nach Westen bis Trelleborg, unsere letzte Übernachtung in Schweden. Vorher besuchten wir aber noch Smugehuk, den südlichsten Punkt von Schweden und das Wikingerdorf, ein Freilichtmuseum am Stadtrand von Trelleborg. In Trelleborg mussten wir auch eine Motorradwerkstatt suchen, in unserem Hinterpneu stecke ein Nagel. Nach einigem Suchen und Fragen fanden wir den jungen Unternehmer, der uns fachmännisch und unkompliziert schnell einen neuen Pneu montierte.
Bevor es zurück nach Dänemark ging, machten wir noch einen Abstecher nach Malmö und dann wieder mit der Fähre zurück von Helsingborg nach Helsingör. Diesmal wählten wir den Landweg quer durch Dänemark bis an die deutsche Grenze, wo wir in Flensburg übernachteten. Die gemütlich Stadt mit ihrem Hafen und der wunderbaren Altstadt hat es uns angetan.
Der nächste Tag führte uns eine Weile der Ostseeküste entlang mit den Reet-bedeckten Häusern, bevor wir Richtung Süden abbogen. Unterwegs besuchten wir das ehemalige KZ Belsen-Bergen, bevor wir uns in Hildesheim ein Hotel suchten. Da wir die Altstadt und die Hotels nicht gleich auf Anhieb fanden, standen wir am Strassenrand, um uns zu orientieren. Ein einheimischer Motorradfahrer fragte, ob er uns helfen können und führte uns zielstrebig zu einem Hotel. Der Hinterausgang des Hotels entpuppte sich als Ausgang zum wunderschönen Marktplatz, wo gerade ein tolles Volksfest inmitten der wunderschönen restaurierten Häuserfassaden stattfand.
Die zweitletzte Etappe führte uns ins Saarland, wo wir unsere Bekannten in Hierscheid/Appelborn mit unserem Besuch überraschten. Sie sind beide auch begeisterte Motorradfahrer. Da sie an diesem Abend an ein Geburtstagsfest eingeladen waren, drückten sie uns kurzerhand Hausschlüssel und Autoschlüssel in die Hand und erklärten uns, wo es gutes Essen gibt.
Nach einem reichhaltigen Frühstück hiess es Abschied nehmen und zurück in die Schweiz zu fahren.
Fazit:
Schweden ist landschaftlich eine Reise wert. Entgegen unseren Befürchtungen vor Reiseantritt, wurde es uns nie langweilig, die roten Holzhäuser, die Fjorde, die Seen und Weiher zu bestaunen, man kann einfach nicht genug davon bekommen. Besonders schön ist die Westküste, man muss sich aber die Zeit nehmen und zwischendurch auch auf Nebenstrassen fahren oder ein Dorf direkt am Meer ansteuern und den Weg dorthin geniessen. Es kann dabei schon vorkommen, dass die Strasse einfach am Wasser endet und via Fähre auf der anderen Seiten wieder weitergeht. Wenn man schon da ist, ein Abstecher nach Oslo mit Holmenkollen ist ebenfalls empfehlenswert. Die Lockerheit der Leute hat uns beeindruckt und wir genossen dieses vermeintlich unbeschwerte Gefühl. Auch in den kleinen, einfachen Hotels gibt es immer ein tolles Smörebröd, Frückstück ist hier wichtig und wird fast zelebriert. Kaffee und Zimtschnecken oder Lax Rulle gehören in diesem Land einfach dazu. Stockholm ist eine besuchenswerte Stadt, geprägt vom Wasser und den verschiedenen Stadtteilen, teilweise auf Inseln. Wer an die Südküste reist, dem empfehlen wir unbedingt Ales Stenar. Mit Englisch kann man sich sehr gut verständigen, ganz selten geht auch Deutsch. Es braucht keine besonderen Einreiseformalitäten, ein Pass genügt.
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