2010 – Bosnien Herzegovina – Kroatien

7 Tage: Oberaargau – Innsbruck – Banja Luka – Sarajevo – Split – Karlobag – Oberaargau

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Unsere erste Reise in den Balkan, ausgenommen Kroatien, wo wir schon öfters waren. 

Am ersten Tag fuhren wir bis Innsbruck, wo wir übernachteten. Wir waren zuerst etwas unsicher und haben uns in Innsbruck entschieden, dass wir es wagen, nach Bosnien Herzegovina zu fahren und falls es uns nicht gefällt oder wir uns nicht sicher fühlen, wir sofort weiter nach Kroatien fahren, das uns bereits von früheren Reisen bekannt und vertraut ist.

Von Innsbruck fuhren wir ein kurzes Stück durch Serbien, um in Bosnien Herzegovina einzutauchen. Kaum über die Grenze, fällt der Unterschied auf. Mehrheitlich ländlich und arm, zumindest die Dörfer kurz nach der Grenze. In Banja Luka suchten wir uns ein 4* oder 5*Hotel. Im Osten suchen wir wenn möglich ein Hotel mit mehreren Sternen. Die „teureren“ Hotels entsprechen ausser in den ausgeprägten und modernen Touristenorten vom Preis und vom Niveau her ungefähr einem 3*Hotel in CH/D/A, haben aber entweder eine abgeschlossene Einstellhalle oder einen bewachten Parkplatz, was uns für unser hochwertiges Motorrad wichtig ist. Banja Luka ist im Norden von Bosnien Herzegovina und geprägt von der serbisch-bosnischen Bevölkerungsminderheit. Das heisst, dass die Mehrheit der Bevölkerung im Norden der serbisch-orthodoxen Kirche angehört und kleidermässig eher freizügig herumläuft und das Nachtleben geniesst. 

Von Banja Luka ging es quer durch Bosnien Herzegovina in den Süden nach Sarajevo. Unsere Route war geprägt von Wäldern, Schluchten und (dreckigen) Flüssen. Abgesehen vom Dreck und den vielen PET-Flaschen in den Flüssen eine wunderschöne Landschaft und sehr schön und kurvenreich zum Motorrad fahren. 

Auffallend sind die vielen halb fertigen Häuser. Teilweise gehören sie Bosniern, die im Krieg geflüchtet sind, nun im Ausland wohnen und in den Ferien jeweils am Haus weiterbauen. Oft sind es aber auch Einheimische, die im Parterre wohnen, sobald der Rohbau fertig ist und dann nach und nach am ersten Stock, dem Dach, der Fassade, der Umgebung weiterbauen, sobald sie wieder etwas Geld haben. Die Kriegsspuren sind leider überall noch zu sehen.

Die Vorgärten, Terrassen, Balkone sind wie „geschleckt“ und sehr oft mit Blumen geschmückt.

Es hat viele neue, sehr gepflegte und bediente Tankstellen. Benzin für das Motorrad war nie ein Problem. 

Die Restaurants sind – zumindest die Terrassen – extrem gepflegt und einladend. Die Leute überall sehr freundlich. Auch wenn die meisten älteren Leute keine Fremdsprache sprechen… mit Händen und Füssen geht es immer und man verdurstet und verhungert nicht. Bei einem Zwischenhalt in einem abgelegenen Restaurant an so einer Art kleinen Passtrasse hatte der Wirt so Freude, dass wir bei ihm eingekehrt sind, dass er uns am Schluss zwei Feuerzeuge mit seiner Werbung schenkte. Wir konnten uns nicht unterhalten, aber beide Seiten haben sich sehr gefreut.

Die Friedhöfe befinden sich meistens an einem Hang, neben den Wohnhäusern. Die meisten sind eher ungepflegt, das Gras wächst zwischen den Gräbern und das Heu wird mit der grössten Selbstverständlichkeit direkt auf dem Friedhof aufgeschichtet zum trocknen.

In Bosnien Herzegovina leben Muslime, Christen und Serbisch-Orthodoxe friedlich nebeneinander – die Bevölkerung, die Kirchen in den Dörfern wie auch die Friedhöfe. Vor dem Krieg funktionierte das sehr gut. Seit dem Krieg hat sich vieles verändert und die Leute sind misstrauischer gegenüber den anderen Religionen.

In der Mitte und im Süden des Landes leben mehrheitlich Muslime. Man sieht es an den Kleidern der Frauen und an den Moscheen, die in der Überzahl sind. Die Frauen in Bosnien sind aber trotz Kopftuch vor allem in den Städten sehr elegant gekleidet.

Die Leute geben sich sehr viel Mühe, mit dem was sie haben das Land wieder aufzubauen, die Kriegsspuren zu verwischen. Das gelingt nicht überall. Obwohl sichtbar ist, dass das Land arm ist, ist es dem Umständen entsprechend relativ sauber, gepflegt und aufgeräumt. Und wir fühlten uns immer sehr sicher und willkommen.

Die Leute sind sehr freundlich, viele Junge sprechen ein paar Brocken Englisch oder Deutsch, es geht aber auch mit Zeichen sehr gut.

Die Anfahrt auf Sarajevo ist speziell. Zuerst fährt man entlang einer breiten und langen Strasse gesäumt von Plattenbauten mit vielen Einschusslöchern, wirklich nichts Schönes, um zuhinterst am Berg eine wunderschöne Altstadt zu entdecken. Wir haben uns ein bisschen in diese wunderbare Altstadt verliebt. Da treffen West und Ost, Alt und Neu aufeinander, ein buntes Durcheinander von orientalisch, orthodox, und muslimisch friedlich nebeneinander inkl. Moschee, Kirche, Bazar, Essen, Trinken, Rauchen. Einzig für das Bier muss man an den Rand der Altstadt in die wunderschöne, altehrwürdige Bierbrauerei, denn in der Altstadt gibt es kein Restaurant, das Alkohol ausschenkt. 

Wir hatten am Rande der Altstadt ein tolles 4*Hotel in einem alten renovierten Altstadthaus mit einem sehr schönen und modernen Innenausbau und einem bewachten Parkplatz gleich gegenüber gefunden.

Von  Sarajevo fuhren wir über Mostar an das Meer nach Kroatien. In der Nähe von Split übernachteten wir und fuhren am nächsten Tag der immer wieder wunderschönen und faszinierenden Küstenstrasse entlang nach Norden bis Karlobag. Ein kleines Dörfchen mit einem einfachen Gästehaus und einem einfachen „Badestrand“ (Betonplatten, wie in Kroatien üblich). Zum Znacht gab es eine deftige Fleischplatte. Leider vermieste der starke Regen am Abend das Dorffest.

Von Karlobag fuhren wir weiter nach Norden. Man hat die Wahl entlang der wunderschönen Küstenstrasse oder hinter der ersten Hügel-Reihe auf der Autobahn, die aber (2010) noch nicht durchgehend fertig erstellt ist. Unsere Landstrasse ging plötzlich nahtlos in eine Schotterstrasse über. Die Strasse war noch nicht ganz fertig, weiter vorne ging es auf geteerter Strasse wie weiter. Mit solchen Situationen muss man im Osten immer wieder rechnen. Wird eine Strasse saniert, wird die gesamte Strasse aufgerissen, auf der einen Seite wird gearbeitet, auf der anderen Seite fährt der Verkehr einfach über den Schotter weiter. Oder Umleitungen über unbefestigte Strassen. Für Autos kein Problem, für vollbeladene Motorräder schon. Da ist es sehr hilfreich, wenn der Pilot jahrzehntelange Motorrad-Erfahrung und Motorradkurse in Kiesgruben hinter sich hat.

Und dann ging es zurück nachhause.

Fazit:
Bosnien ist zum Motorradfahren gut geeignet, kurvig durch grüne Landschaften die mehrheitlich hügelig/bergig sind mit viel Wald und entlang von Flüssen. Die Bevölkerung ist freundlich und hilfsbereit. Im mehrheitlich muslimischen Teil fühlten wir uns fast noch ein bisschen wohler. Das Land ist arm und bemüht sich seit Jahren, mit dem wenigen das sie haben, sich nach dem Krieg wieder hochzurappeln. Wir fühlten uns immer sicher, waren aber nie fahrlässig. Tankstellen findet man entlang von Haupt- und Landstrassen genügend. Die Altstadt von Sarajevo ist ein Juwel und eine Reise wert. Es gibt keine besonderen Einreisebestimmungen, ein Pass genügt. Bei der Einreise Geld wechseln, Bosnien Herzegovina hat eine eigene Währung, die Konvertible Mark. Auf Autobahnen muss Maut gezahlt werden.

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Wälder und Flüsse in Bosnien Herzegovina
Leider auch das, Müll und PET-Flaschen werden im Fluss entsorgt
Kirche und Moschee friedlich nebeneinander in den Dörfern
Rast unterwegs, hier haben wir die Feuerzeuge als Geschenk erhalten
In der Altstadt von Sarajevo
Altstadt von Sarajevo
Die Brauerei am Rand der Altstadt von Sarajevo
Der bewachte Parkplatz gegenüber unserem Hotel
Die Kriegsspuren sind leider überall noch sichtbar
Entlang der Zufahrtstrasse zur Altstadt von Sarajevo
Mostar
Ein Stück der Strasse in Kroatien noch nicht ganz fertig… mit Schotterstrassen muss man im Osten immer wieder mal rechnen
Und ewig lockt der Anblick der kroatischen Küstenstrasse

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