2019 – Piemont – Mailand

4 Tage:  Oberaargau – Luzern – Axenstrasse – Gotthard-Pass – Alba – Cantavenna – Barbaresco – Alba – Mailand – Lago Maggiore – Simplon-Pass – Wallis – Genfersee – Oberaargau

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Über das Auffahrts-Wochenende sind wir, wenn das Wetter mitspielt, immer 4 Tage mit dem Motorrad unterwegs. Dieses Jahr hatten wir wieder mal Lust auf das Piemont, genauer gesagt Alba und Umgebung. Und der vorherige Satz sagt es schon, es ist nicht das erste Mal und es geht diesmal nicht darum, etwas Neues zu entdecken, sondern etwas, das uns sehr gut gefällt, wieder zu erleben.
Da unser erster Besuch im Weingebiet des Piemonts vor vielen Jahren speziell war, flechte ich diesen auch noch in diesen Bericht mit ein. Seither hat es uns immer mal wieder in diese Gegend gezogen.

In den Süden zu fahren heisst, zuerst die Alpen zu überqueren. Da bietet sich immer eine schöne Pässefahrt an. Wir fuhren also frühmorgens los Richtung Innerschweiz, über die Axenstrasse und dann über den Gotthard-Pass hinunter ins Tessin. Von da ging es dann teilweise auf der Autobahn und teilweise auf Landstrassen via Casale Monferrato nach Alba.
Beim ersten Besuch in Alba vor vielen Jahren hatten wir das nette Hotel Savona direkt am Rand der Altstadt und mit einem geschlossenen Innenhof-Parking gefunden. Seither klopfen wir jeweils dort an. Da es auch schon vorkam, dass kein Zimmer mehr frei war, rufen wir mittlerweile von unterwegs an und buchen für den Abend ein Zimmer.
In Alba angekommen, freuen wir uns immer auf den Bummel durch die Altstadt und der lange Apéro mit üppigen Beilagen draussen in einer Gasse, wo man den flanierenden Leuten zuschauen kann.

Gehört in Alba dazu, ausgiebiger Apéro in den Altstadt-Gassen
Man bestellt übrigens nur die Getränke, der Rest kommt ungefragt von alleine


Wir haben da auch schon mehr als einmal im gleichen Geschäft (Herren!)Schuhe und Kleider gekauft, es geht einfach nichts über Italian Style. Bei einer Reise von nur 4 Tagen haben wir jeweils noch locker Platz in unseren Taschen für solche Mitbringsel. Dieses Mal waren es Sonnenbrillen, die uns ins Auge stachen. Ein Ersatz der alten, verkratzen Brillen war eh fällig und so erkundigten wir uns im Optiker-Geschäft. Der Optiker sprach fliessend Englisch, wir hatten es lustig und so verliessen wir mit zwei neuen Sonnenbrillen das Geschäft, im Wissen, dass wir nun in Alba nicht nur „unseren“ Schuhladen, sondern auch „unser“ Optikergeschäft haben.

Neu bebrillt in Alba – Persol, Italian Style, what else

Das Nachtessen nahmen wir im Locanda Cortiletto d’Alba, wo wir zuvorkommend bedient wurden und gut gegessen haben. Das können wir sehr empfehlen. Im Gespräch mit der Kellnerin haben wir auch erfahren, dass sie noch Gästezimmer haben. Könnte eine Alternative für nächstes Mal sein. www.cortilettodalba.com 

Am nächsten Tag wollten wir eine Tagestour durch die Rebberge vom Piemont machen und bis nach Cantavenna fahren, wo man einen wunderbaren Ausblick vom Hochplateau auf die Po-Ebene hat, also verlängerten wir im Hotel um eine Nacht. Diesen Ausblick vom Hochplateau runter in die Po-Ebene hatten wir zufällig auf unserer ersten Reise ins Weingebiet des Piemonts entdeckt. Die erste Strecke von Alba auf Nebenstrassen bis nach Cantavenna führte nicht durch die berühmten Weinberge sondern durch Haselnussplantagen und schöne Landschaften und alte, hübsche Dörfer. Auf dem Rückweg fuhren wir dann zuerst nach Süden Richtung Alessandria und von da dann quer auf kleinen Landstrassen durch Dörfer hoch auf den Hügeln und die Rebberge rund um die Hügel. Wer die Weinberge sucht peil am besten bekannte Weinort an. Sehr hübsch ist es im Gebiet rund um Barbaresco oder Monforte d’Alba / Barolo. Am besten die kleinen Strassen durch die Rebberge und Dörfer fahren. Es geht rauf und runter und hat viele Kurven, ideal für mit dem Motorrad.

Hier flechte ich unsere erste Reise zu den Weinbergen im Piemont vor vielen Jahren ein. Das Ziel war klar, wir wollten sehen, wo die berühmten Weine herkommen. Minuten vor der Abreise kam uns ein Buch in den Sinn, das wir mal gelesen hatten: Vino Criminale von Michael Böckler. Das Buch ist ein Krimi, ein Restaurant- und Hotel-Führer, ein Kochbuch, und ein Weingut-Führer in einem. Michael Böckler hat verschiedene solcher Bücher geschrieben, die in unterschiedlichen Landschaften/Weingebieten angesiedelt sind. Der Krimi im Vino Criminale spielt im Piemont. Also schmissen wir dieses Buch noch ins Top-Case… für alle Fälle. 

Unser erster Etappenhalt war in Turin, in einem Hotel mitten in der Altstadt und Fussgängerzone, natürlich mit dem Motorrad direkt vor den Hoteleingang.

Nach dem Stadtrundgang konsultierten wir das Buch und schauten, ob es auch eine Restaurant-Empfehlung in Turin gab. Die gab es, Trattoria L’Oca Fola. Also machten wir uns zu Fuss auf dahin. Wir waren bereits etwas ausserhalb der City und Altstadt und es sah nirgends nach Restaurant oder Ausgehzone aus. In der Gasse, die uns die Karte anzeigte, sah nichts nach einem tollen Restaurant aus und wir wurden ganz unsicher. Bis wir einen kleinen unscheinbaren Baldachin über einer Türe entdeckten. Und das war es dann, das Restaurant. Von aussen so was von unscheinbar. Innen eher traditionell, fast ein bisschen urchig. Die Menu-Karte sah genau 3 Menus vor: das kleine, das mittlere und das grosse, Inhalt immer der selbe, nur unterschiedlich viele Gänge. Pro Tag gibt es ein Menu, das man in verschiedenen Grössen, sprich Anzahl Gängen haben kann, that’s it. Alternative gab es nicht, ausser ein kaltes Plättli. Das Traditionelle und Einfache gefiel uns. Wir entschieden uns für das mittlere Menu und waren gespannt, was da kommt. Was uns dann vorgesetzt wurde, war einfach nur delikat und wir können diese Trattoria wärmstens weiterempfehlen… und es lohnt sich, zu reservieren. Da wir bereits da waren, als der Staubsauger noch in Aktion war und eigentlich noch gar nicht offen war, konnten wir noch einen freien Tisch ergattern.

Nach dieser guten Erfahrung, beschlossen wir damals, uns an dem Buch zu orientieren, da konnte nichts schiefgehen. Die nächste Station war Alba und wir fanden eben das Hotel Savona, das nicht im Buch steht. Aber wir suchten eines der Restaurants aus dem Buch zum Abendessen, das auch sehr lecker war. 

Am nächsten Tag machten wir uns auf durch die wunderschönen Weinberge nach Montforte d’Alba, wegen dem Buch. Wir wollten im Hotel Villa Beccaris übernachten. Nicht ganz billig, aber die Villa oben auf dem Hügel mit Park und der Ausblick runter auf die Weinberge von Barolo ist einfach umwerfend. Da wir nicht zum voraus reserviert hatten, war das Hotel leider voll. Aber sie hatten in der Nähe in der Altstadt noch eine Dependence, wo ein Zimmer frei war. Ein uraltes Haus, liebevoll restauriert. Wir wähnten uns in einem Museum in unserem Zimmer, das aber allen Komfort bot. Zur Hintertür raus waren wir in einem kleinen Garten mit Swimming Pool und die schmale Wendeltreppe hoch standen die Liegestühle auf der überdachten Laube mit einem ganz tollen Ausblick auf die Dächer der Altstadt. Abends gingen wir unten im Dorf in eines der im Buch empfohlenen Restaurants essen und bekamen wieder ein herrliches Essen vorgesetzt. Am nächsten Morgen durften wir bei der Villa im wunderschönen Wintergarten frühstücken und dazu den Ausblick auf die Weinberge von Barolo geniessen, die mittlerweile UNESCO Weltkulturerbe sind. Das waren damals unsere ersten Eindrücke von der Gegend um Alba und das war so eindrücklich und schön, dass wir immer wieder dahin zurückkehren. Wir haben bei einer späteren Reise nochmals versucht, in der Villa Beccaris zu übernachten, aber es war leider kein Zimmer mehr frei, obwohl wir vorher angerufen hatten. 

Ausblick von der Villa Beccaris auf das Barolo-Weingebiet

Zurück zu unserer Reise im 2019. Am dritten Tag war eigentlich angedacht, dass wir ins Tessin zurückfahren und uns dort zwei schöne Tage am See machen. Wegen einem Missverständnis wurde dann nichts daraus und wir mussten uns schnell eine Alternative überlegen. Wir entschieden uns für Mailand. Da Festagswochenende war, suchten wir bereits vor der Abfahrt nach einem freien, bezahlbaren Hotelzimmer in Zentrumsnähe, was nicht so einfach war. Wir entschieden uns für ein Hotel, das uns in Fussdistanz zum Dom/Scala usw. schien und hofften, dass es nicht eine Bruchbude ist. Auf der Reise nach Mailand genossen wir nochmals die Fahrt durch die Weinberge, bevor wir vom Hochplateau in die Po-Ebene runterfuhren und dann die Autobahn nach Mailand nahmen. Das Hotel war nicht gerade eine Bruchbude, aber auch nicht eine elegante Schönheit. Um einmal zu schlafen, war es ok, aber sicher eine halbe Stunde zu Fuss bis ins Zentrum und dort fängt die Wanderung ja dann erst an. Am Nachmittag und Abend schlenderten wir durch das Zentrum von Mailand mit Dom, Galleria Vittorio Emanuele II, Scala und die teueren Einkaufsstrassen mit Bodyguards vor der Ladentüre und genossen das Nachtessen in einem einfachen italienischen Beizli. Vorher tranken wir aber noch einen sauteuren Apéro am Domplatz, aber im Wissen, dass es hier nicht ganz billig sein wird. Manchmal muss man halt die Aussicht auch mitzahlen. 

Mailänder Dom

Annemarie war ein Jahr zuvor schon mal ein paar Tage in Mailand mit Stadtführung und Museumsbesuche, von daher war dies bei diesem Besuch kein Thema mehr.

Wer im Zentrum von Mailand essen gehen will, dem empfehlen wir den Brera District. Eine hübsche Fussgängerzone mit kleinen Gassen, schönen Cafés und Restaurants, wo sich Touristen und Einheimische treffen.

Am letzten Tag fuhren wir von Mailand an das östliche Ufer des Lago Maggiore nach Laveno, um mit der Fähre auf die andere Seeseite nach Intra zu gelangen, was einen grossen Umweg um den See herum erspart. Von dort fuhren wir Richtung Norden nach Domodossola und dann hoch über den Simplonpass ins Wallis und das ganze Wallis runter bis zur Genferseeregion und dann auf der Autobahn Richtung Fribourg – Bern nachhause.

Fazit:
Turin ist eine schöne norditalienische Stadt mit einer grossen, hübschen Altstadt, die sich bis zum Ufer des Po-Flusses zieht. Wenn man in Turin ist, empfehlen wir die Trattoria L’Oca Fola. Es ist ein Erlebnis dort zu speisen, unbedingt vorher reservieren.
http://www.ocafola.it

Das Piemont, insbesondere die südliche Region um Alba können wir sehr empfehlen. Eine  wunderschöne Landschaft und wunderbares italienisches Ambiente. Die Altstadt von Alba hat es uns angetan aber auch Asti oder Monforte d’Alba sind besuchenswert. Ebenso die kleinen Weindörfer wie z.B. Barbaresco oder das hübsche Barolo. Die wunderschönen Weinberge sind seit 2014 UNESCO Weltkulturerbe. http://www.langheroero.it/unesco-endlich .

Wenn man gerne mal einen richtig teuren Wein trinken, aber nicht gerade ein Vermögen im Restaurant zum Essen ausgeben will, eignen sich die Enotecas, die es überall in der Weinregion gibt, sehr gut, um den Wein glasweise zu probieren, dann gibt man gerne mal etwas mehr aus, wenn es der Preis pro Glas und nicht pro Flasche ist. z.B. einen richtig guten Gaia in Barbaresco.

Wer gerne mal sehr stilvoll übernachten will und bereit ist, etwas tiefer ins Portemonnaie zu greifen, dem empfehlen wir das Hotel Villa Peccaris in Monforte d’Alba. Es ist einfach wunderschön da oben mit der Aussicht auf die Weinberge von Barolo. Frühzeitig reservieren! https://www.villabeccaris.com/?lang=de 

Wir haben schon ein paar Mal im Hotel Savona in Alba übernachtet, weil es sehr praktisch gelegen ist direkt am Rand der Fussgängerzone/Altstadt. Die Leute an der Reception sind immer sehr freundlich und sprechen auch Englisch. https://www.hotelsavona.com

Wer Trüffel liebt, sollte auch nach Alba, das ist das Trüffel-Mekka. Ganz in der Nähe von Alba finden jeweils die Versteigerung der Knollen statt. Wir sind keine Trüffel-Liebhaber, deshalb für uns nebensächlich. Es gibt aber von Michael Böckler auch einen Krimi, der sich in der Trüffel-Szene abspielt und man lernt dabei eine Menge über diesen teuren Pilz: Tödlicher Tartufo.

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Monforte d’Alba – Aussicht von unserer Dependance in der Altstadt
Monforte d’Alba
Wintergarten mit Aussicht – Villa Beccaris
Garten Villa Beccaris
Barbaresco
Unterwegs nach Cantavenna
Unterwegs nach Cantavenna
Cantavenna – Aussicht auf die Po-Ebene
Galleria Vittorio Emanuele II, Mailand

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