1 Woche: Oberaargau – Bourges – Amboise – Saumur – Carnac – Concarneau – Plogoff / Pointe du Raz – Morlaix – Saint-Malo – Mont-Saint-Michel – Angers – Autun – Burgund – Neuenburger Jura – Oberaargau

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Das Ziel dieser Reise war klar: Die Südküste der Bretagne. Dies deshalb, weil Jean-Luc-Bannalec in seiner Krimi-Reihe „Kommissar Dupin“ – die von Annemarie gerade zu verschlungen wird – die Bretagne besser vermarktet als jeder Ferienprospekt. Die verschiedenen Blautöne von Meer und Himmel, die Landschaft und das Essen, das musste einfach mal gesehen werden. Wie wir dorthin und zurück gelangten, war allerdings wie immer offen, nach Lust und Laune.
Wir machten uns also auf gen Westen. Wenn man die Landkarte betrachtet, liegt der Fluss Loire gerade so am Weg zwischen der Schweiz und der Bretagne. Von einer früheren 4-Tage-Reise kannten wir den ersten Teil entlang der Loire bereits. Damals stiegen wir in Nevers in die Loire-Route ein, wo wir zufällig am Grab der heiligen Bernadette landeten. Wegen ihren Erscheinungen wurde Lourdes zum berühmten Wallfahrtsort, nun ist sie in Nevers aufgebahrt. Das ist aber eine andere spannende Geschichte.
Damals folgten wir ab Nevers der Loire über Orléans bis nach Blois und Schloss Chambord. Diesen Bogen der Loire wollten wir also nicht nochmals fahren. Deshalb fuhren wir ziemlich direkt nach Westen, um in Amboise wieder in die Loire-Route einzusteigen. Wir übernachteten aber etwas vorher in Bourges, ein schönes Mittelalter-Städtchen, wo uns beim Nachtessen die deutschen Tischnachbarn noch einige Tips von interessanten Orten mitgaben.

In Amboise machten wir einen Mittagsrast in der wunderschönen, aber von Touristen überfluteten Altstadt mit Schloss und ab da reisten wir der Loire entlang, wo man ständig wieder irgendwo ein kleineres oder grösseres Schloss sieht. In Saumur entschieden wir uns, die Nacht zu verbringen und wir ergatterten am späteren Nachmittag gerade noch die letzte Führung durch das Schloss. Annemarie war in jungen Jahren schon mal hier und das grosse weisse Schloss am Ufer der Loire sah noch immer so imposant und erhaben aus wie in den Erinnerungen.

Wenn man alle Schlösser besichtigen möchte, käme man nie vom Fleck und teilweise muss man lange anstehen. Es lohnt sich deshalb, ein oder zwei Schlösser auszusuchen, die man besichtigen will und die restlichen halt von aussen anzuschauen. Imposant und schön sind sie sowieso alle.
Von Saumur fuhren wir noch eine Weile der Loire entlang bis wir dann kurz vor Nantes auf die Autobahn wechselten um zügig Richtung südliche Bretagne vorwärts zu kommen. Nach Vannes verliessen wir die Autobahn und fuhren Richtung Küste und landeten in Carnac. Unvorbereitet wie wir waren – wir wissen nie, wo wir abends landen – überraschte uns ein riesiges Feld von Hinkelsteinen am Ortsrand von Carnac. Über 3’000 Menhire sind hier zu Steinreihen gruppiert. Erst suchten wir uns eine Bleibe und fanden ein Zimmer in einem Strandhotel mit wunderbarem Blick auf das Meer. Zum Baden war es zwar etwas kühl, aber der Spaziergang entlang dem Meer, das bretonische Essen und die Badetouristen gaben einem trotzdem das Gefühl von Strandferien. In der Nacht versammelten sich viele am Strand, um den Vollmond und den Mondschimmer auf der Wasseroberfläche zu fotografieren.

Am nächsten Tag besuchten wir zuerst die Menhir-Felder von Carnac und fuhren dann mehr oder weniger der Südküste entlang wo wir unterwegs am Strassenrand immer wieder kleine Menhir-Gruppen und Steingräber sahen. Am frühen Nachmittag landeten wir in Concarneau. Wer Kommissar Dupin schon mal gelesen hat, weiss was das bedeutet. Uns gefiel es in diesem hübschen Ort am Meer und wir beschlossen, ein Zimmer zu suchen, das wir am Marktplatz, fast neben dem „L’Admiral“ fanden. Wir wollten im Restaurant neben dem Hotel etwas trinken, aber dem Hinweisschild auf dem Tisch konnten wir nicht widerstehen, nicht in der Bretagne. So bestellten wir mitten am Nachmittag Austern und Weisswein. Zu schreiben wäre noch, dass wir vorher noch nie Austern gegessen hatten und noch kurz googeln mussten, wie man diese Knigge-gerecht isst, um uns nicht zu blamieren. Sie waren so köstlich, dass wir am selben Abend und auf der weiteren Reise durch die Bretagne noch ein paar Mal Austern assen. Frisch und direkt von hier, das war einfach nicht zu übertreffen.

Concarneau ist recht gross und die Promenade zieht sich einige Kilometer dem Meer entlang. Wir nutzten deshalb das Angebot des Touristen-Zügleins, das uns durch die Stadt und Aussenquartiere und entlang der Promenade führte.
Die Altstadt von Concarneau ist burgähnlich neben dem Hafen im Wasser gebaut und nur über eine Brücke erreichbar. Die hübschen Gassen sind voll Touristen, Restaurants, Bars und Shops und man kann auf die Stadtmauern klettern und hat einen schönen Ausblick. Wir gönnten uns vor dem Nachtessen in den Altstadt-Gassen nochmals etwas Neues: Wir steckten unsere Füsse in ein Aquarium und liessen die Fischlein unsere Hornhaut abknabbern.
Der nächste Tag führte uns entlang der Küste nach Westen, bis es nicht mehr weiterging, wir waren am westlichen Ende von Europa angelangt (zumindest aus Sicht der Bretonen), in Plogoff am Pointe du Raz. Landschaft, Wetter und Meer sind rau hier, aber wunderschön. Man könnte sich in dieser Gegend auch in Irland wähnen.

Ab hier fuhren wir Richtung Duarnenez und dann quer durch die Bretagne an die bretonische Nordküste bis Morlaix, wo wir unser Nachtlager aufschlugen.
Ab Morlaix fuhren wir via die Côte de Granit Rose nach Saint-Malo. Annemarie war in ganz jungen Jahren auch hier und geblieben ist die Erinnerung an die imposanten Wellen. Waren die Erinnerungen völlig übertrieben? Das Wetter in der Bretagne ist unberechenbar und rau und das gilt noch viel mehr für die bretonische Nordküste. Wir fuhren bei Regen in Saint-Malo ein. In der Altstadt fanden wir kein Hotel mit einem freien Zimmer, obwohl Annemarie zwar mit Regenschutz, aber trotzdem triefend nass auch in die 4* und 5*Hotels einmarschierte, derweil Manfred im strömenden Regen auf dem Motorrad wartete. Ein Hotel-Angestellter hatte Erbarmen mit uns und fragte in einem Partnerhotel weiter hinten an der Küstenstrasse nach einem freien Zimmer, das er für uns reservierte. Das Hotel war direkt an der Küstenstrasse und gerade noch so in Fussdistanz zur Altstadt. Die Flut war am Steigen und den Wellen zuzuschauen, wie sie an die Quai-Mauer donnern und über die Mauer spritzen, war noch genau so imposant wie vor vielen Jahren.

Video Flut in Saint-Malo (Youtube)
Wir machten uns auf, die Altstadt zu erkunden und ein Restaurant für das Nachtessen zu suchen. Die Altstadt mit der Stadtmauer ist imposant und schön, aber leider auch total überfüllt mit Touristen, die die gleiche Absicht hatten wie wir. In einer ruhigen Nebengasse zog ein kleines herziges Seafood-Lokal unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir reservierten einen der wenigen Tische und überbrückten die Wartezeit bis zur Lokalöffnung mit Apéros im benachbarten Pub. Zur Vorspeise gab es natürlich wieder mal Austern und danach Fisch. Beides sehr köstlich. Vorher kam aber ein Gruss aus der Küche auf den Tisch. Nanu, was ist denn das? Grosse Augen und Fragezeichen bei uns. Sah es nun hübsch oder eklig aus? Sind es Muscheln oder Schnecken? Irgendwie so schwarze verdrehte Häuschen und das, was drin war hatte so ein lustiges Schwänzchen. Klar war, wir probieren, was hier üblich ist und auf den Tisch kommt. Klar war auch, dass man mit dem kleinen Häkchen etwas aus dem Häuschen fischen musste. Nun, schlecht war es nicht und wir haben alles aufgegessen. Google weiss Rat, wir fanden heraus, dass es Strandschnecken (Bigorneaux) sind und nun wussten wir auch, was die Leute jeweils bei Ebbe mit den Kesselchen am Arm am Strand suchen.
Von Saint-Malo ging es weiter der Küste entlang bis zum Mont-Saint-Michel. Leider auch hier ein totaler Touristenauflauf. Wir sind vom Parkplatz bis an den Strand zum Übergang auf die Insel gelaufen, haben aber darauf verzichtet, die kleine Insel zu erkunden und uns mit hunderten von anderen Touristen durch die Gässlein und Treppen zu zwängen.
Ab hier ging es Richtung Südosten bis Angers. Wir waren auf dem Rückweg und wieder an der Loire angekommen. Angers ist bekannt für das mächtige und markige Schloss. Mitten in der Altstadt fanden wir ein nettes kleines Hotel und hatten Zeit, das Schloss und die Altstadt zu erkunden.
Von Angers ging es quer durch Frankreich Richtung Burgund. In Autun machten wir nochmals einen Übernachtungsstopp und von hier führte die Reise durch das Weingebiet des Burgunds, die berühmte Côte d’Or, wo sich die Strassenschilder wie eine gute Weinkarte lesen, über den Neuenburger Jura und entlang des Neuenburger- und Bielersees nachhause.

Fazit:
Die Loire mit ihrem natürlichen Flusslauf und die Loire-Schlösser sind eine Reise wert. Es hat auch viele schöne Velo-Wege entlang der Loire. Man kann mehr oder weniger Zeit mit dem Besuch der Schlösser verbringen. Als romantisches Fotosujet sind sie auch von aussen eine Augenweide, ohne dass man für jedes Schloss ansteht und Eintritt zahlt. Es hat zwar viele Touristen, aber die Gegend ist dennoch ländlich, beschaulich und romantisch. Eindruck an der Loire machten uns z.B. Orléans, die Schlösser Chambord, Chenonceau und Saumur und Altstadt und Schloss Amboise. Aber es gibt noch viele schöne Schlösser, Google weiss Rat.
Die Bretagne ist ebenfalls eine Reise wert. Und die Bretagne ist wie eine Land im Land, die Bretonen sind in erster Linie Bretonen und nicht Franzosen und das merkt man. Es fühlt sich nicht an wie im übrigen Frankreich. Uns gefiel die Landschaft, die Leute und das Essen sehr gut, aber man muss das etwas rauere Klima mögen. Für Motorradfahrer der kühleren Temperaturen wegen im Sommer ideal, sofern man auch einen Regenschutz dabei hat. Wer gerne mediterranes Klima und kilometerlange Sand-Badestrände hat, ist hier eher falsch. Das Wetter kann über den Tag immer mal wieder wechseln und das bringt dann die vielen verschiedenen Blautöne, die auch mal ins Grüne oder Graue wechseln können, mit sich, im Wasser und am Himmel. Orte, die man unbedingt besuchen sollte: Carnac und die Menhir-Felder, Concarneau, Point du Raz/Plogoff, Saint-Malo und Mont-Saint-Michel. Daneben gibt es auch hier noch viele schöne Dörfer und Städte und sehenswerte Orte. Die Bretagne ist eher ländlich geprägt und hat sehr viel Charme. Alles was aus dem Meer kommt probieren, insbesondere Austern aus der Bretagne und einen kühlen Weisswein dazu.
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